Appenzeller Filmnächte 2026

Drei unterschiedliche Filme für viele Besucher

Die Appenzeller Filmnächte begeisterten mit ihren drei Vorstellungen – die Gartenwirtschaft bot Gerichte passend zu den Filmen an

Als der Abspann zu «DJ Ahmet» am Freitagabend über die Leinwand in der Kunsthalle Appenzell flimmerte, applaudierte das bewegte Publikum spontan. Das gibt es nicht oft.

Das Werk von Georgi M. Unkovksi erzählt von einem nordmazedonischen Jugendlichen, der Schafe hüten muss, anstatt die Schule besuchen zu dürfen. Und davon träumt, Musik zu machen – um eine schöne Jugendliche zu beeindrucken, die heimlich zu moderner Musik tanzt und im abgelegenen Dorf zwangsverheiratet werden soll. Und auch für seinen kleinen, verstummten Bruder, der mit Musik aufblüht. Mit stillen Bildern, intensiven Blicken, farbenprächtigen Landschaftsimpressionen und starken Charakteren, authentisch dargestellt, berührt der Film tief. Auf verschiedenen Ebenen thematisiert er mit Humor, Poesie und Dramatik die Zerrissenheit zwischen Tradition und Moderne, Trauerbewältigung und Familie. Das Publikum der Appenzeller Filmnächte war hingerissen.

Am Auftaktabend, den die Kulturgruppe Appenzell zusammen mit dem Team des Museums Appenzell bestritten hat, amüsierte es sich über die Hausfrauengeschichte der fiktiven Betty Bossi (Regie Pierre Monnard) und die originalgetreue Ausstattung. Die Hauptfigur, die reale Emmi Creola, schlägt sich mit verkrusteten Rollenbildern und einem nichtfunktionierenden Handmixer herum. Im Museum Appenzell kann man derzeit die Wunschträume der Hausfrauen in der Mitte des letzten Jahrhunderts bestaunen.

Der oscarnominierte Samstag-Film von Josh Safdie forderte volle Konzentration, nicht nur von der Hauptfigur, dem Pingpongspieler Marty, sondern auch von den Zuschauern. Der Film «Marty Supreme» war sehr temporeich, ebenso die Dialoge. Die unerwarteten, abstrusen Wendungen liessen einem manchmal das Blut in den Adern gefrieren und lösten etliche erschrockene Lacher aus. Timothée Chalamet schuf mit dem eher unsympathischen, ehrgeizigen – wie wir sagen «vergifteten, angefressenen» – jungen Mann mit einer erschreckenden Unerschrockenheit eine faszinierende Figur, angelehnt an die reale Tischtennislegende Marty Mauser.

Die drei Filmnächte waren durchgehend stark besucht. Am Donnerstag waren alle 160 Plätze besetzt. Diejenigen Gäste, die sich davor in der Gartenwirtschaft trafen, freuten sich über das ikonische Menü, passend zu «Hallo Betty»: Riz Casimir. Zum osteuropäischen Film servierten das Kulturgruppe-Team und ihre Helfer Cevapcici oder Halloumi mit Ajvar und zum Dessert Baklava. Und zum Film aus New York (wegen Regen im Kunsthalle-Bistro) jenes Sandwich, das in Martys Zeiten Kultstatus erreichte: Pastrami-Sandwiches, mit hausgemachten (Food-Team Kulturgruppe) Grillgemüse, Saucen und Pickles. Die Verpflegungsangebote wurden vom Publikum ebenso gelobt wie die Filmauswahl und das legendäre Kuchenbuffet der Kulturgruppenfrauen.

Text: Monica Dörig, Bild: Silvio Signer